Heimatortsgemeinschaft Miletitsch


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Geschichte


Milititsch, Miletitsch oder auch Berauersheim genannt.


Die erste Ansiedlung in Miletitsch erfolgte 1786, eine zweite 1791 und vereinzelt auch 1795 und 1798. Der Großteil der Miletitscher Ansiedler kam aus dem Schwarzwald, jeweils ein kleiner Teil aus der Pfalz und Nordbaden, einige aus dem Raum Mainz-Trier und einige aus Lothringen und dem Saarland, wie auch aus Hohenzollern. Während die ersten Deutschen in Miletitsch vor 1786 in den Kirchenbüchern von Hodschag eingetragen waren, hat man die Lebensdaten der Ansiedler von 1786 zunächst in Karawukowa eingetragen, bis dann im April 1787 in Miletitsch eigene Kirchenbücher angelegt wurden.
Die deutsche Bevölkerung in Miletitsch vermehrte sich rasch: 1820 zählte sie schon 1.898 Seelen und 1836 schon 2.216 und 1936 war Miletitsch eine rein deutsche Gemeinde mit 765 Wohnhäusern und 3.837 Einwohnern. Wirklichen Aufschwung bekam die Ansiedlungstätigkeit aber erst durch das Ansied-lungspatent von Maria Theresia 1755.
In sorgfältiger Planung war die Ansiedlung vorbereitet worden. 15 Häuser waren von den bereits ansässigen Deutschen vorher aufgestampf worden und 5 befanden sich im Stampfen. Die restlichen 20 wurden noch im Sommer 1786 fertig und konnten bezogen werden. Es waren schlichte, einfenstrige Kolonialhäuser, und doch muss es unseren Ahnen mit einer unvorstellbaren Freude erfüllt haben, nach der Unfreiheit in der Heimat und den Strapazen der weiten Reise ins eigene Heim einziehen zu können. Trotz der vielen Vergünstigungen die unsere Ahnen hatten, erlebten sie anfangs keine gute Zeit - mühevolle Arbeit und geduldiges Ertragen der mannigfachen Schicksalsschläge war ihr Los. In Bezug auf einen eigenen Pfarrer und ein Gotteshaus wurde unseren Ahnen eine lange Geduldsprobe abverlangt. Die Kirchengemeinde wurde zwar schon 1782 gegründet, doch mit der Einsetzung eines Pfarrers und dem Bau eines Gotteshauses ging es nicht so schnell. Schon 1786 wurde ein Antrag gestellt, einen eigenen Pfarrer zu bekommen, doch 1787 wurde zunächst eine Kaplanschaft errichtet, welche bis 1798 bestand, erst dann bekamen sie ihren ersten Pfarrer. Mit dem Bau einer Kirche mussten sie aber noch lange warten. Im Jahr 1810 wurde ein Antrag zum Bau einer Kirche gestellt, aber einige Schwierigkeiten verhinderten zunächst den Bau und erst 1816 konnte endlich begonnen werden.
1824 wurde sie dann eingeweiht und sie zählt mit zu den schönsten der Umgebung. Fast 50 Jahre mussten unsere Ahnen auf diesen Augenblick warten und sich mit einem einfachen Bethaus begnügen - welch ein beglückendes Ereignis für diese tiefgläubigen Menschen. Zum Hauptgewerbe, wie auch zum Handel lieferten die Hanffelder den Rohstoff. Obwohl der Hanfanbau nur für den Hausbedarf berechnet war, entwickelte sich diese Kultur nach und nach zur größten Ausbeute für Gewerbe und Handel und trug so den Löwenanteil zum wirtschaftlichen Aufschwung bei. Wenn man es richtig betrachtet, ist der Hanf, sein Anbau, die Bearbeitung und Verarbeitung zu Seilerwaren fast das einzige Produkt, welches Miletitsch einen großen Aufschwung brachte und über alle Krisen hinweghalf.
Die Miletitscher waren ein geselliger Schlag. Nach der schweren Arbeit, am Sonntag und an Feiertagen liebten sie das Gespräch mit den Nachbarn und den Bekannten oder Verwandten. Als echte Donauschwaben standen die Miletitscher aber auch allem Neuen in der Wirtschaft offen gegenüber. 1920 wurde der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund gegründet. Es ist dies kein Verein im gewöhnlichen Sinn, denn er vertritt nicht eine einzelne Standesgruppe, sondern umfasst alle, denn er dient nicht bloß der einen oder anderen Berufsgruppe, sondern dem Volksganzen in seiner kulturellen Eigenschaft. Die eigentliche Entfaltung des Kulturbundes begann 1926, wo eine rege Tätigkeit auf allen Gebieten einsetzte. Die Jugendgruppen pflegten das deutsche Volkslied und den Volkstanz, spielten Theater und führten viele andere Veranstaltungen durch, denn die kulturelle Zielsetzung war die Pflege der Muttersprache und die Belebung des Volksbewußtseins. Dieser Arbeit schloss sich die 1934 in Miletitsch neugegründete Ortsgruppe an und schon 1935 bewies der Kulturbund mit einem schön gestalteten Erntedankfest, welche bedeutende Rolle er im kulturellen Leben der Gemeinde spielt, und dass er der Dorfgemeinschaft ein wirkliches Anliegen war. Noch stärker zeigte sich dies bei der 150-Jahr-Feier 1936, die zum Gedenken an die Erstbesiedlung Miletitschs mit Deutschen im Jahr 1786 abgehalten wurde. Dieses Fest wurde zu einer der würdigsten Gemeinschaftsleistungen in der Geschichte von Miletitsch.
Doch alles Leben bedeutet Entwicklung, und diese Entwicklung ging schnell. Was Generationen hindurch gleich geblieben war, die Sitten und Gebräuche, die Tracht, die Arbeitsweise in der Landwirtschaft, standen am Beginn einer tiefgehenden Wandlung. Da kam das Jahr 1944 und mit ihm das Ende unserer Dorfgemeinschaft. Was sie geworden wäre, können wir nur denken, doch was sie war und wie sie unterging wollen wir niederschreiben, bevor die Bilder in der Erinnerung verblassen oder aus dem Gedächtnis der Menschen entschwinden.














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